Exlibriskunst in China

 

Die Kunst des gedruckten Exlibris begann in Deutschland im 15. Jahrhundert und erschien in China zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nun, man hat in China bisher nur zwei Exemplare  von chinesischen Exlibris dieser frühesten Phase identifiziert. Eines ist ein ‚ipsis libris’, das 1914 von Herrn Song Chun Fang gemacht wurde, einem Sammler von Dramenmanuskripten, der einige Zeit in der Schweiz lebte und dort studierte (Abb. 1). Das andere ist ebenfalls ein ,ipsis libris’, das um die gleiche Zeit von Herrn  Guan Zu Zhang gefertigt wurde, einem Kunstsammler, der in den USA lebte und studierte (Abb. 2).

 

In den 1930er Jahren entdeckten die chinesischen Künstler Herr Ye ling feng, Herr Yu da fu und Herr Zheng zhen yao die Kunst des Exlibris. Herr Ye ling feng entwarf ein Exlibris für seine eigenen Bücher (Abb. 3). Während dieser Periode war es, dass chinesische Künstler auf dem Gebiet des Exlibris künstlerisch tätig wurden.

 

1934 gründete der Künstler Li hua die  Moderne Holzschnitt-Druck-Gesellschaft. Zusammen mit weiteren fünf Mitgliedern der Gesellschaft schuf er 12 Exlibris, ein Ereignis, das in der Zeitschrift der Gesellschaft  Moderne Holzschnitt Drucke, Heft 9, Mai 1935 angekündigt wurde. (Abb. 4). Diese Gruppe von Künstlern schuf die erste Wissensgrundlage von Exlibris in China, auf der die Exlibriskunst in diesem Land sich entwickelte. Allerdings war der historische Hintergrund jener Zeit geprägt durch interne Revolten und ausländische Invasionen, so dass es sehr schwierig für die Exlibriskunst war, sich während dieser Periode zu entfalten.  Aber von Ende der 1930er Jahre an durch die 1940er hindurch entwickelten sich die schöpferischen Aktivitäten rapide.

 

Als eine bescheidene Art künstlerischen Ausdrucks hat die chinesische Exlibriskunst sich seitdem immer weiter entwickelt. So waren zum Beispiel Herr  Cao xing zhi, Herr Li ping fan, Herr Shi zhe cun und Herr Luo gong liu alle auf dem Gebiet des Exlibris schöpferisch tätig. Der Kunstforscher und –wissenschaftler Herr Ye peng, begann 1945, Exlibris zu sammeln und zu bewahren. In den 1950er Jahren verbreiteten einige Holzschnittkünstler die Tradition, Bücherzeichen zu machen, weiter. Herr  Li hua schuf sie ohne Unterbrechung von 1959 bis 1979. Während des gleichen Zeitraums schuf Herr Liang dong etwa Exlibris Werke, davon 15 zwischen 1963 und 1964 (Abb. 5), und Herr Yu peng fertigte im gleichen Zeitraum vier.

 

Zwischen 1938 und 1976, erlebte China in Folge: Kampf gegen eine Invasionsarmee, Bürgerkrieg, die Gründung eines neuen China und die Entwicklung des Sozialismus. Bis zur Kulturrevolution und während dieser historischen Periode litt die Exlibriskunst in China an einer vierzigjährigen Apathie. 

 

In den 1980er Jahren blühte die Exlibriskunst in China erneut auf. Seit dem Ende der Kulturrevolution 1976 ist man auf künstlerisch-intellektuellen Gebiet  sehr aktiv. 1980 stellte Herr Li hua in einer Ausstellung grafischer Kunst  zum ersten Mal vier Exlibris aus, und 1983 zeigten Herr Liang dong, Herr Wang die quan and Herr Jiang zhi lin Exlibris auf der  “8. Nationalen Ausstellung von Holzschnitt-Kunst” (Abb. 6). Sofort verbreitete sich diese Kunstform sehr schnell über ganz China.

 

Auf Vorschlag der Herrn Li hua, Liang dong und einer Gruppe von Künstlern wurde am 2. April  1984 in Peking, eine einzige nationale Körperschaft für Exlibriskunst gegründet, die "Chinesische Exlibris Gesellschaft", die im ganzen Land Künstler, Sammler und Forscher zur Exlibriskunst zusammenbringt. Sie hatte etwa 500 Mitglieder, publizierte die Zeitschrift Chinesische Exlibriskunst zur Kommunikation unter den Mitgliedern und errichtete später das  "Chinese Exlibris art net" (www.ceaaa.com).

 

Nachdem sie einmal etabliert war, erreichte die Chinesische Exlibris Gesellschaft jeden chinesischen Ort, um die Exlibriskunst bekannt zu machen.  Sie hat jetzt mehrere Tausend Mitglieder. In über 20 Jahren wurden viele Exlibris geschaffen. Sie sind frisch und klar, in chinesischem Stil und erwecken großes Interesse. (Abb. 7 - 11). Die Themen sind breitgestreut, die Künstler sind versiert und die Werke vielfältig und elegant. Gegenwärtig, vor allem da immer mehr neue Autoren hinzukommen, schätzen Aufmerksamkeit aus dem Ausland für die neue Situation sehr.

 

 Chinesische Künstler verstehen sich auf eine große Bandbreite von Techniken, eingeschlossen Tiefdruckverfahren wie Radierung (C3), Kaltnadelradierung (C4) und Aquatinta (C5). Wenige verwenden Weichgrundätzungen (C6), Mezzotinto (C7) oder Linol- oder Plastikstiche (C8). Beim Hochdruck verwenden viele den Holzschnitt (X1), einschließlich der Mimeografie (schwarz-weiß und farbig) und des ‚Wasserzeichen Farbholzschnitts’.  Linolschnitt (X3), Hochdruck von Metallplatten für Tiefdruck (X5) wird verwendet und (Chinesischer) Steinsiegeldruck ( X7) wird allmählich häufiger. Wenige verwenden den Holzstich (X2) (Abb. 12) Flachdruckverfahren, Schablone und elektronischer Druck sind geläufig (Abb. 13 - 16), einige Leute verwenden auch die Autolithografie ( L1), die Autographie (Umdruckverfahren, L2), und die Zinkografie ( L3). Viele Künstler verwenden Schablone (S), Siebdruck (S1), Fotosiebdruck (P9) und – obwohl seltener -  die Batikschablone (S2). Heute verwenden mehr und mehr Menschen computergeneriertes Design (CGD).

 

1984 wurden zum ersten Mal bei der 20. FISAE Ausstellung in Deutschland  56 Exlibriswerke von 32 chinesischen Künstlern ausgestellt.  In den letzten 21 Jahren haben chinesische Künstler an 11 "FISAE Ausstellungen" teilgenommen. Im Jahr 2000, brachte Bostons 28. FISAE Ausstellung einen einmaligen Rekord: jeder dritte teilnehmende Künstler war Chinese und jedes vierte ausgestellt werk kam aus unserem Land.

 

1986 wurden 1117 Exlibris von 532 chinesischen Künstlern auf der ersten chinesischen Exlibriskunst-Ausstellung dargeboten, die dann ein Jahr lang 12 chinesische Städte bereiste.  In den 21 Jahren ihres Bestehens hat die Chinesische Exlibris Gesellschaft schon 11 solche größeren Ausstellungen chinesischer Exlibriskunst organisiert.

 

Auf dem 22. FISAE Kongress in Dänemark 1988 wurde die Chinesische Exlibris Gesellschaft als neues FISAE Mitglied aufgenommen. 1990 beteiligte sich der chinesische Delegierte Prof. Liang dong am 23. FISAE Kongress in Deutschland.  Es war das erste Mal, dass ein chinesischer Exlibriskünstler an einem internationalen Exlibristreffen teilnahm.

 

1992, nahmen der chinesische Delegierte Prof. Liang dong, Prof. Zhang zho you, Herr Zhang jia rui – insgesamt 11 Vertreter – am 24. FISAE Kongress in Japan teil. Es war das erste Mal, dass viele chinesische Exlibriskünstler kollektiv ein Ereignis im internationalen Reich des Exlibris besuchten.

1994 kündigte der  chinesische Delegierte Prof Shen yan xiang auf dem 25. Kongress in Mailand, Italien, zum ersten Mal an, dass China Gastgeber eines FISAE Kongresses sein wollte.

 

Im Jahr 2004 hat der chinesische Delegierte Prof. Zhang zhi in Wels (Österreich), wo der 30. FISAE Kongress abgehalten wurde, die feste Kandidatur Chinas für die Austragung des 32. FISAE Kongresses  2008 vorgetragen, die nach zwei Runden geheimer Abstimmung angenommen wurde.

 

Seit über einem Jahr befinden sich alle Mitglieder der chinesischen Exlibris Gesellschaft jetzt schon in einer glücklichen Vorerwartung und haben ihre Anstrengungen im kreativen Schaffen verdoppelt. Sie erwarten, dass der 32. FISAE Kongress und die Ausstellung (in Peking, China, 2008) ein Erfolg werden und ein neuer Beitrag zur internationalen Förderung der Exlibriskunst. 

 

Prof. Zhang zhi you

Vizepräsident  & Generalsekretär der Chinesischen Exlibris Gesellschaft

14. November 2005

 

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Song chun fang s Buchzeichen, X1, c. 1914. Autor unbekannt Guan zu zhangs  'Verstecke das Buch ' Exlibris, X1, c. 1914, Autor unbekannt Ye ling feng, X1, 1933, ipsis libris

   
Li hua,  X1, 1935, ipsis libris
Liang dong,  X1, 1963, ipsis libris
Wang die quan, X1, 1984,  für  Li ping fan

   
Yi yang, C3+C5, 2003, ipsis libris Yang zhong yi, C8, 2003, für  Yan ming Peng cheng, X1, 1995,  für  Ichigoro Uchida

     
Bai yi ru, X1, 1995, ipsis libris
 Zhang yang, X1, 2003, ipsis libris
Zhou dong shen, 2003,  ipsis libris
   
Kang jian fei, L1, 2001,

für die chinesische

Nationalbibliothek

Liu shuo hai, S1, 2003,  für  Ah nian Zhang zhi you, CGD, 2000,  für Masao Ohba

     
Chen ya dan, CGD, 2003,  für  Shang rang